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Vom Prozess und Prozessdokument

Connected Awareness - Prozessdokument

Krieg, Schmerz, Leid, Konflikte, Überforderung, Ohnmacht – es kann doch nicht sein, dass wir als Menschheit nicht miteinander klarkommen? Und doch gibt es jene unter uns, die an eine bessere Welt glauben. Die Ideen haben, wie diese aussehen kann und sogar wie wir dahin kommen. Eine Welt, die für alle funktioniert. Es gibt so viele Bücher zu lesen, Filme zu sehen, Podiumsdiskussionen zu besuchen, die alle von dieser gemeinsamen Zukunft sprechen. Es steht doch alles schon geschrieben, oder? Was hält uns dann noch davon ab? Warum zieht sich das alles so? Warum leben wir nicht schon längst in dieser Welt?

Weil uns der Austausch fehlt. Weil es kein gemeinsames Narrativ gibt, keine gemeinsame Vision. Was ist das eigentlich, wo wir hinwollen? Wie sieht diese Welt aus? Auf welchen Werten basiert sie? So viele Gespräche in den Kneipen dieser Welt, deren Erkenntnisse wieder in Vergessenheit geraten. Lasst uns miteinander sprechen und die Essenz niederschreiben und fortan weiterentwickeln!

Mit dieser Energie sind wir gestartet. Im Jahre 2016 stellten wir ein Dokument zusammen, in welchem sich das vereinte Bewusstsein verschiedenster Bewegungen wiederfindet:

  • Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg – und damit der Geist Gandhis und Martin Luther Kings
  • Mediation als Konfliktbegleitung
  • Convergent Facilitation nach Miki Kashtan
  • Umwelt- und Friedensbewegung
  • Cradle2Cradle
  • Venus Project & Zeitgeist Movement
  • Selbstbestimmtes Lernen
  • Motivationskonzepte nach Daniel Pink
  • Reinventing Organizations

Natürlich wissen wir nicht, ob es eine gute Auswahl ist. Oder ob etwas fehlt. Ob wir noch tiefer dringen können. Jetzt gilt es die Bewegung zu fragen. Die Organisationen und Projekte dieser Welt, denen wirklich etwas an den Menschen, und dem Leben auf dem Planeten liegt. Die eine Zukunft gestalten wollen, die für alle funktioniert.

Das Prozessdokument: Ein lebendiges Dokument

Connected Awareness - ProzessdokumentDieses Dokument steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir nennen es noch etwas unsexy „Das Prozessdokument“. In ihm versuchen wir, das gemeinsame Bewusstsein aller teilnehmenden Projekte und Organisationen in Worte zu fassen und mit Bildern zu begleiten. Das Prozessdokument ist unser Weg, Bewusstsein festzuhalten. Wir wollen, dass

  • sich alle Menschen darin wiederfinden können,
  • die Inhalte für jeden Menschen leicht zugänglich sind,
  • es in sich widerspruchsfrei und konsistent ist,
  • es effizient erfassbar und ansprechend zu lesen ist.

Unser Weg, das gemeinsame Bewusstseinsbild einerseits in seiner Ganzheitlichkeit abzubilden und andererseits verdaulich erfassbar zu machen, ist die Aufteilung in kleine Informationseinheiten – „Partikel“ genannt. Alle Bewusstseinspartikel zusammen ergeben das große Ganze.

Natürlich könnten und müssten wir unzählbar viele solcher Partikel aufschreiben, wenn es uns darum ginge, das gesamte Bewusstsein der Menschheit aufzuschreiben. Doch es geht uns „nur“ um jene Partikel, von denen wir und die teilnehmenden Organisationen glauben, dass sie ein Schlüssel für die Tür in eine gemeinsame Zukunft in Frieden, Fülle und Zufriedenheit bedeuten.

Die Partikel bestehen stets aus einer Aussage. Manchmal ist diese Aussage eher schlicht, manchmal komplexer. Connectees – Menschen, die an unserem Prozess teilnehmen – können sich zu diesen Partikeln positionieren. Stimmt die Aussage mit ihrem Erleben überein, stimmen sie zu. Ist dies nicht der Fall, lehnen sie ab. Sind sie von einem Partikel irritiert, löst er etwas aus oder erschließt sich ihnen nicht, zeigen sie Klärungsbedarf an.

Der Prozess der Bewusstseinsfindung

Und so startet unser Prozess. Wir bitten Menschen, denen vom Herzen etwas an einer gemeinsamen Zukunft liegt, zu überprüfen, an welchen Stellen wir bereits Bewusstsein teilen und an welchen Stellen wir voneinander lernen können. Da wir nicht mit jedem Menschen einzeln dazu in Kontakt gehen können, wünschen wir uns von den Connectees, dass sie sich miteinander über die Partikel austauschen, sich gegenseitig beim Verständnis der Partikel unterstützen, sowie ihre ggf. unterschiedlichen Positionen zu erforschen und sich gegenseitig inspirieren.

Diese Austauschphase – wie auch der Prozess im Gesamten – soll vor allem eins: Spaß machen! Die Connectees sollen ihrer eigenen Neugier folgen, Lust auf Neues, Begegnung und Veränderung haben und auch gern genießen, wenn sie sich mal reiben. Unsere Connector-Teams – Teams, die von uns in die Organisationen entsandt werden – stehen dabei begleitend zur Seite, um den Austausch zu einem angenehmen, inspirierenden Erlebnis zu machen.

Durch die Erkenntnisse der Connectees und das gemeinsame Verstehen und Lernen entwickelt sich aus verschiedenen Einzelpositionen Stück für Stück eine gemeinsame Position. Der Klärungsbedarf verringert sich, Zustimmungen und Ablehnungen werden vermehrt von mehreren getragen, nicht von Einzelnen. Sobald die Connectees keinen Spaß mehr empfinden oder vom Austausch gesättigt sind, gibt uns eine*r von ihnen Bescheid.

Und das ist der ganze Trick: Unser Connector-Team kann nun mit Connectees in Kontakt treten, die gemeinsam eine ähnliche Position vertreten. Hier trifft das Bewusstsein der Organisation auf das bisher von allen anderen Organisationen zusammengetragene Bewusstsein. Hier beginnt unsere eigentliche Arbeit!

Die Verschmelzung des Bewusstseins vieler zu einem gemeinsamen Ganzen

Connected Awareness - Historie Prozessdokument

Versionsschritte seit 2016 bis heute

Die Connector-Teams haben eine hohe Verantwortung: Einerseits müssen sie sich im derzeitigen Bewusstseinsvorschlag auskennen, Zusammenhänge und Hintergründe verstehen, und diese dazu noch verständlich transportieren können. Andererseits müssen sie die Offenheit mitbringen, dass vielleicht alles ganz anders ist. Sie müssen ihr Herz für andere Sichtweisen offenhalten und ihre Neugier dazu nutzen, um evtl. neue Bewusstseinspartikel zu entdecken, welche für die Gestaltung gemeinsamer Wege in eine Zukunft, die für alle funktioniert, von Relevanz sein könnten.

Die Klärungs- und Feedbackphase ist ein Schlüsselmoment: Über die Connector-Teams gelangt das Bewusstsein anderer Menschen in die Organisation. Sie zeigen Hintergründe, Zusammenhänge und Beispiele auf, um Missverständnisse aufzulösen und tieferen Einblick in die Themengebiete der Partikel zu gewähren. Gleichzeitig wird klar, ob Konflikte bestehen, und somit die Notwendigkeit besteht, gemeinsam zu forschen und hinter die Positionen zu blicken.

Nach einem ersten Durchlauf des Prozesses werden neu gewonnene Erkenntnisse in den teilnehmenden Organisationen zu wirken beginnen. Die Strategien der Organisationen und der Menschen, die in ihnen tätig sind, verändern sich. Damit werden sie noch ganzheitlicher und effizienter zu ihren eigenen Zielen beitragen, und auch zum Ziel einer Welt, die für alle funktioniert. Gleichzeitig bereiten die Connector-Teams das Feedback so auf, dass der Kreis Bewusstseinsintegration von Connected Awareness darauf zurückgreifen kann, wenn die Ausarbeitung einer nächsten Version des Prozessdokumentes ansteht.

Da sowohl die nächste Version des Prozessdokuments als auch die Position der teilnehmenden Organisationen veröffentlicht werden, wenn sie dies denn wollen, kommen auch alle anderen Menschen unmittelbar in den Genuss von neuem Bewusstsein. Es kann sich verbreiten und ein Impuls für Veränderung sein.

Ein ewiger Kreis

Hier beginnt der Zyklus erneut. Mit jeder neuen Version des Prozessdokuments laden wir die teilnehmenden Organisationen ein, sich zu den Veränderungen zu positionieren. Der Aufwand ist nun schon viel geringer, da den meisten Connectees der Prozess schon bekannt ist und sie in ihren Gesprächen über den Veränderungen auf die gewonnene Klarheit des vorherigen Durchlaufs aufbauen können.

Wir sind sicher, dass wir mit unserem Vorhaben, einen wichtigen Beitrag leisten, damit die Zukunft für alle sicherer, sinnvoller und angenehmer wird. Es wird eine große Herausforderung werden, die verschiedenen Bewusstseinsaspekte zu einem einfach greifbaren Ganzen zu integrieren. Doch diese Herausforderung nehmen wir an, damit wir an der Seite von Millionen anderen engagierten Menschen künftig dafür sorgen können, dass sich mehr und mehr Menschen frei entfalten und tiefgründige Zufriedenheit erfahren können, Eine Welt, in der wir Frieden und Ressourcenreichhaltigkeit im Einklang mit den Ökosystemen der Erde erleben.

Wenn du Interesse daran hast, dir das Prozessdokument genauer anzuschauen, oder gar mit deiner Organisation am Prozess teilzunehmen, dann schau mal hier: https://www.connectedawareness.org/wir/was-wir-tun/

Dieser Artikel entstand aus den Fingern von Flo und den wohlwollenden Ergänzungen von Jana

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  1. Pingback: Informativer Gemütlichkeitsabend – Ein Rückblick - Connected Awareness

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